Soziale Beziehungsmuster im Netz

In seinem Text "An Electronic Group is Virtually a Social Network” geht es Barry Wellman vorallem um zwei zentrale Fragen:
- Wie beeinflussen verschiedene Beziehungsmuster sozialer Netzwerke on- wie offline Interaktionen?
- Welchen Einfluss übt medial vermittelte Kommunikation auf soziale Beziehungsmuster aus?
Hierzu unterscheidet er zwischen eng verbundenen Gruppen, die sich durch eine limitierte Anzahl ihrer Mitglieder, hohen Bekanntheitsgrad untereinander und intensivem on- wie offline Kontakt auszeichnen und ungebundenen Netzwerken, in denen durch oft wechselnde Beziehungen und loserem Kontakt untereinander eher lockere Bindungen der Teilnehmer existieren. Diese Gruppen werden im Weiteren durch sechs Aspekte charakterisiert: Dichte, Abgrenzung, Verteilung, Exklusivität, soziale Kontrolle und Verbundenheit. Wichtig ist der hier erfolgende Vergleich von Sozial- und Computernetzwerken, etwa meine Nachbarschaft als soziales Netzwerk und das Internetforum in welchem ich sporadisch teilnehme.
Zusammenfassend kommt er zu de Ergebnis, dass sich Kommunikation und Beziehungsmuster verändern. Keinesfalls geht die Entwicklung jedoch zum sozial-isolierten, realitätsfernen Individuum. Durch die Möglichkeiten, die im Netz gegeben sind, kommt es vielmehr zur Vervielfältigung und Weiterentwicklung von Beziehungen. Sich schnell und einfach mit Freunden oder auch Fremden zu allgemeinen oder speziellen Themen zu unterhalten, die freiwillige und ungebundene Teilnahme an verschiedenen Gruppen, dass alles ohne Barrieren wie Hautfarbe etc. ist nur im Internet möglich. Abschließend gibt Welman noch interessante Forschungsansätze diesen Gebiets für die Zukunft.

Meine Meinung zu diesem Artikel spaltet sich ein wenig, einerseits find ich manche Aspekte richtig, wie das man sich durch das Netz sein eigenes kleines "Dorf" um die Welt bauen kann, andererseits denke ich, dass in der fehlenden oder erschwerten soziale Kontrolle im Internet mehr Tücken lauern, als man ahnt.
Ireen - 30. Nov, 12:03

Ganz meine Meinung

Ein wirklich guter Text zum Thema Gesellschaft in der Webwelt. Natürlich bietet das Internet eine gute Möglichkeit sein eigenes "Dorf", wie du es geschrieben hast, mit Gleichgesinnten zu erbauen. Dennoch sollte man in aller Euphorie auch die Gefahren und Hintertürchen nicht außer Acht lassen. Wie bereits Nicole Stenger 1992 treffend feststellte, bietet gerade das WWW "a springtime for schizophrenia" (vgl. www.elon.edu/predictions/20edgyincisivepredictions.aspx). Denn oftmals kann es passieren, dass man ungewollt auf eben so einen Schizphrenen hereinfällt, der nur vorgibt das zu sein ,für das wir ihn halten. Aber man muss noch nicht einmal so abstarkt denken.
Leider wurden bereist die Webhausierer auf das digitale Dorf aufmerksam und versuchen nun nach guter alter "Foot-in-door" Manier eigene Vorteile aus den kleinen Dörfchen um sie herum zu schlagen. Leider gehören neben den inzwischen lästig gewordenen Spammails auch Spamthreats in Foren, ICQ-Spam und andere unterschiedliche Arten von nerviger Kapitalinteraktion zum Internetalltag. Und keiner weiß genau wer nun die Macher hinter diesen Spams sind.
Schizophrenia sei dank^^

JorniJorni - 1. Dez, 11:44

Ich finde die Unterteilung in "eng verbundene Gruppen" und "ungebundene Netzwerken", die Wellman vornimmt, etwas arg konstruiert. Die Übergänge sind nämlich immer fließend, und nicht zuletzt werden Leute, die früher in meiner "eng verbundenen Gruppe" waren, irgendwann Teil der "ungebundenen Netzwerke" und umgekehrt. Das bezieht sich sowohl auf die reale als auch auf die Online-Welt.
Das Problem der sozialen Kontrolle besteht meiner Meinung nach im realen Leben ebenso wie in der Online-Welt, wird dort aber natürlich etwas vergrößert. Andererseits denke ich, dass soziale Kontrolle hier auch eine wesentlich kleinere Rolle spielt: In Foren oder Blogs ist es ziemlich egal, ob jemand wirklich der ist, der zu sein er vorgibt, denn eigentlich kommt es hier eher auf Inhalte an (hier wird es erst problematisch, wenn bewusste Falschinformationen gestreut werden). Schwieriger wird die soziale Kontrolle eigentlich nur, wenn es eher darum geht, vom Online-Leben irgendwann auf das reale Leben zu schließen: wer sich im Love-Chat als 1,80 m großer, muskulöser, braungebrannter Latino ausgibt, in Wahrheit aber ein winziger, käsiger Mittvierziger ist, wird natürlich Probleme bekommen. Hier wirkt also die verspätete soziale Kontrolle wieder so wie im richtigen Leben.

freshjive - 1. Dez, 17:01

Die Systematisierung von Wellman macht dene ich auf jeden fall sind. Du hast aber recht wenn Du sagst, dass die Übergäng fliessend sind und man eine gewisse Dynamik beoachten kann. Das sieht Wellman aber durchaus auch so, verwendet seine Kategorien jedoch, um die Unterschiede deutlich zu machen.

Was die geschichte mit der sozialen Kontrolle bzw. den SPAMmern angeht: Ich jeden tag in meinem Offline-Briefkasten Berge von Werbung, die landet direkt im Mülleimer... Lästig, aber eine Gefahr, dass ich nicht herausfinden kann wer dahinter steckt ergibt sich erst gar nicht, weil es mir egal ist. ;-) Anders ist das sicherlich in dem Beispiel mit der falschen Identität im Chat.

Wobei bei QWeblogs zu beobachten ist, dass die meisten Blopgger sich zu erkennen geben. Also pauschlaurteile sind da eher fehl am Platz

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