Montag, 17. Juli 2006

Eine Schulfahrt die ist lustig, eine Schulfahrt die ist schön...

Es ist schon erstaunlich, was in unscheinbaren Räumlichkeiten von unscheinbaren Personen geleistet werden kann. Die Redaktion des größten virtuellen Archivs des deutschen Films, filmportal.de, fristet ihr Leben im dritten Stock des deutschen Filmmuseums in Frankfurt am Main.
Bis zu meinem Besuch dort am letzten Freitag wusste ich noch nicht, wie viele Nuancen grau haben kann. Ich war doch sehr verwundert, wie viele gedeckte, unauffällige, um nicht zu sagen langweilige Farben dort aufzufinden waren. Durch das pausenlose Arbeiten bedingt, fast mit einem evolutionären Prozess vergleichbar, haben sich die Mitarbeiter der Redaktion an ihre Umwelt angepasst. Die Ausstrahlung von einem sonnigen Mausgrau, Kleidungsstil mit schwarz und grau perfekt an die Umgebung “eingepasst“. „Tarnung“ des Redakteurs und das Ökosystem Redaktion bilden eine Einheit. Durch diese strategische Überlebenstechnik wird perfektes, emsiges Arbeiten möglich, keinerlei Ablenkung verwirrt den Geist und hilft dabei, fokussiert zu bleiben. Fokussiert auf ein gemeinsames Ziel: Das Filmportal!
Fakten und Informationen, Altes und Neues, ja alles Wichtige zum deutschen Film wird hier zusammengetragen und für dankbare Medienwissenschaftler, einfache Filmfreaks und interessierte Laien zur freien und kostenlosen Verfügung ins Internet gestellt. Gott sei Dank kühlen die riesigen Deckenventilatoren, an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, dieses triste Herz des Portals auf lebendige 25 Grad Celsius, da sonst, durch die hohe Außentemperatur bedingt, das Arbeiten, aber auch das Zuhören des interessierten und aufmerksamen Besuchers sehr anstrengend, wenn nicht sogar unmöglich wäre.
Da wir ja alle wissen, dass selbst die Wüste lebt, geschehen auch in diesem lebensfeindlichen Territorium Taten und Wunder. Seit Februar 2005 wurden hier 45.000 deutsche Filme und über 110.000 Namen des deutschen Filmhandwerks katalogisiert und archiviert, verschlagwortet und verlinkt. Die Seite beinhaltet neben reinen Informationen Zusatzmaterialien wie Interviews der aufgeführten Schauspieler und Regisseure, ebenso wie Kritiken namhafter Kritiker der gelisteten Filme. Das bilinguale Produkt des so unscheinbar wirkenden, aber emsig arbeitenden Bienenstocks wird stark frequentiert, die Angriffe, pardon die Seitenzugriffe nehmen stetig zu. Auf alle Fragend des deutschen Films kann hier Antwort gefunden werden. Das übersichtliche, wie könnte es anders sein, graublaue Design der Seite bereitet die Inhalte übersichtlich auf, aktuelle Nachrichten halten die User auf dem Laufenden und verschiedenste Themengebiete runden das Angebot durchaus ab.
Natürlich gibt es einen Haken, die Seite ist eine Falle, sie ist ein Köder. Einer, der jungen, engagierten Medienwissenschafttlern zum Verhängnis wird. Sind sie einmal als Praktikant unserer im Mäusefell getarnten Spinne ins Netz gegangen, bleibt man, wie mir berichtet wurde, ein Leben lang. Vielleicht ist diese friedliche Umgebung doch ein schöner Ort, um alt zu werden. Ein Platz, an dem man man selbst bleiben kann, man sich seiner Passion, und wenn es das Archivieren von Filmen ist, hingeben kann. Doch steht dieses Paradies, dieser Garten Eden, nicht jedem offen. Der Paradiesvogel, mit seinen prächtigen Farben muss draußen bleiben.

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